Nachtschicht: Die Einladung

Nachtschicht 2013

Liebe ehemaligen Mitsängerinnen und -sänger,
liebe Singbegeisterte,


der Geheime Küchenchor freut sich, Ihnen und euch ein neues Projekt vorstellen zu können: Am Samstag, den 18. Mai 2013, wird der erweiterte Küchenchor im Kulturwerk Wissen bei der jährlichen "Nachtschicht" auftreten. An diesem großartigen Abend werden wir drei Stücke aufführen, die das Kernthema "Industriekultur Westerwald & Sieg" eigenwillig und vielfältig ausdrücken: Vessels von Philip Glass aus dem Film Koyaanisqatsi des Regisseurs Godfrey Reggio, Vegetaciones aus dem Canto General von Pablo Neruda und Mikis Theodorakis sowie Alleluia von Eric Whitacre.

Die Proben beginnen am Montag, den 21. Januar 2013 um 20 Uhr im Großen Saal der Kreisverwaltung Altenkirchen und werden bis Mai voraussichtlich zu dieser Zeit und an diesem Ort fortgeführt, eventuell kommen noch zwei, drei Sonder- oder Hauptproben hinzu. Die Mitmachgebühr beträgt 25 Euro, die Leitung hat Klaus Schumacher.


Das Kulturwerk

Kulturwerk Wissen

Nach unseren beiden großen Projekten, 2006 die Misa Criolla und 2008/09 der Canto General, ist es jetzt einfach mal wieder an der Zeit, was neues zu machen. Allerdings war es nicht so einfach, das letzte Projekt noch zu toppen - zu gewaltig ertönte der Große Gesang vor vier Jahren bei drei Konzerten im Westerwald. Damals halfen wir dabei mit, das ehemalige Walzwerk in Wissen, das nun ein "Kultur-Werk" geworden war, einzuweihen, und alle, die dabei waren (oder jemals dort waren) wissen, wie fantastisch diese Halle für solche Werke geeignet ist und welche tolle Kulturarbeit dort gemacht wird.

Insbesondere gilt das für die "Nachtschicht", die ein unverzichtbarer Bestandteil des Kulturkalenders der Region geworden ist (hier finden Sie Bilder vom letzten Mal). Das Besondere daran ist die Mischung aus Artistik, Sport, Tanz und Musik und dass sich unter all den Top-Acts auch immer wieder Künstler und Gruppen aus der Region befinden. An diesem Abend, der bis in die späte Nacht andauert, lässt sich das Leitthema der Halle, die Industriekultur, besonders handgreiflich erleben. Dieser Ort hat eine eigene Vergangenheit, die mit der der Region eng verwoben ist. Hier schlug das Herz der industriellen Produktion in und um Wissen, hier wurde noch "richtig" gearbeitet, produziert und ausgebildet (die Kulturhalle residiert in der ehemaligen Reparatur- und Ausbildungswerkstatt Halle 5).

Seit 1995 ist das Geschichte, aber der Kulturverein kulturWERKwissen und die Wissener eigenART haben es sich zur Aufgabe gemacht, diese Geschichte weiterhin mit Leben zu füllen. Deshalb sind Gegensätze dort immer wieder Thema: früher und heute, Industrie und Kultur, hier bei uns und draußen in der Welt. Dieser Ansatz wird der stolzen Rolle gerecht, die hier die Weißblechproduktion für Wissen und die Region gespielt hat, der harten Arbeit, die Wohlstand brachte und doch so bitter abgewickelt wurde. Es ist ein gutes Umgehen mit diesen Widersprüchen gelungen, das gefällt uns, hier fühlen wir uns wohl und deshalb bringen wir uns hier auch gerne erneut ein: Mit Kunstwerken, die ebenfalls Gegensätze ausdrücken.
 

Die Stücke

Pruitt-Igoe Kennen Sie eigentlich (noch) den Film Koyaanisqatsi? Vor dreißig Jahren, 1982, entstanden, keine einzige Dialogzeile und null Story - ein sonderlich erfolgreicher Film wäre das wahrscheinlich nicht geworden, wenn nicht so viele große Namen dafür geworben hätten (für Details siehe Wikipedia). Ich habe mich immer gefragt, was die wohl beim Drehen und Schneiden geraucht haben . Aber das Thema, die Entfernung des "modernen" Lebens von den menschlichen Wurzeln, traf damals einen Nerv. Und die filmische Umsetzung mit vielen Verfremdungen, Zeitlupen, Archivaufnahmen und Gegenschnitten, dazu die fremdartige Hopi-Sprache, war neu und aufregend.

Wie auch immer, zumindest an die Musik kann sich irgendwie jeder ein bisschen erinnern und Philip Glass ist damit ein wahrhaft epochemachender Wurf gelungen. Als sog. klassischer Komponist (eine Musikrichtung, die für Normalmenschen in den 1970er-Jahren wirklich schwer erträglich war) hat er es geschafft, indische und andere Einflüsse der Popkultur hinzuzufügen - etwas, was nicht nur die erfreulicherweise in Vergessenheit geratene New-Age-Bewegung, sondern die ganze "westliche" Musik beeinflusste. Erstaunlicherweise kann man diese psychedelischen Klänge, an denen damals im Studio monatelang herumgeschnippelt wurde, auch live singen und ich wette, Sie sind schon sehr neugierig darauf, wie das vonstattengehen könnte (ein Tipp: viel Text lernen muss man dafür nicht).
 

Vulkan Muss ich Vegetaciones noch vorstellen? Sicher nicht, wenn Sie beim Canto General dabei waren, egal, ob auf oder vor der Bühne. Für viele das schönste Teilstück des Großen Gesangs, also dieser schwartendicken Verssammlung des chilenischen Nobelpreisträgers Pablo Neruda, von Mikis Theodorakis so schmissig vertont, dass man das quellende Grün schon aus allen Fugen brechen vermeint. Was das mit dem Thema zu tun hat? Stöbern Sie doch (nochmal) ein bisschen in unserem Archiv herum! Sehen Sie, wie Neruda Naturthemen mit sozialen und politischen Fragen genial verknüpft, wie Zusammenhänge und Gegensätze aufbrechen, ohne sie aussprechen zu müssen? Ganz genau!

 

Eric Whitacre Und schließlich das Alleluia von Eric Whitacre. Das ist ja gerade der angesagte junge Komponist für Chöre und Blasensembles und von seiner Meerjungfrau haben Sie bestimmt auch schon gehört, eventuell ohne es zu merken. Vielleicht waren Sie in den letzten Jahren auch in einem unserer Konzerte und wissen, dass der Geheime Küchenchor eine kleine Schwäche für diese Art modernen Chorsatz entwickelt hat. Ein Halleluja im Walzwerk? Also dieses Mal dürfen Sie gerne Ihre eigenen Schlüsse ziehen. Auf jeden Fall ist dieses Stück sowas von brandneu (die Uraufführung war 2011 und es ist erst seit einem Jahr gedruckt erhältlich), dass es sich schon für diese Beinahe-Deutschland-Premiere lohnen dürfte, dabei zu sein!
 

Das Kleingedruckte

So, jetzt wissen Sie also, was auf Sie zukommt. Wie oben schon erwähnt werden wir einmal wöchentlich, montags um 20 Uhr, proben. Ein Teilnahmebeitrag von 25 Euro ist leider unvermeidlich, weil die Noten echtes Geld kosten (zwei davon dürfen Sie übrigens anschließend gerne behalten, nur die von Vegetationes müssen wir wieder zurückgeben). Außerdem bekommen Sie freien Eintritt zur gesamten Nachtschicht, bei der es außer uns auch noch jede Menge anderer toller Beiträge gibt. Es lohnt sich also, würde ich meinen.

Probe Canto General An dieser Stelle wird es auch wieder einen Servicebereich für alle Mitwirkenden am Projekt "Nachtschicht" geben, wo Sie viele weitere Infos (und das berühmt-berüchtigte Probentagebuch) einsehen und sich mit anderen TeilnehmerInnen austauschen können. Sicherlich werden auch noch einige wenige Sonderproben gegen Ende auf Sie zukommen, die genauen Termine stehen aber noch nicht fest.

Bitte schreiben Sie uns eine kurze Mail, wenn Sie an diesem Projekt teilnehmen möchten und kommen Sie am 21. Januar um 20 Uhr in die Kreisverwaltung ("alter" Eingang an der Stirnseite). Sollten Sie an diesem Termin ausgerechnet keine Zeit haben würden wir uns über eine kurze Nachricht freuen. Selbstverständlich kann man auch noch eine oder zwei Wochen später einsteigen bzw. einen oder zwei "Schnupperabende" absolvieren, aber dann sollten Sie sich entscheiden und auch dabei bleiben.

Bitte schreiben Sie uns auch dann, wenn Sie eine Frage haben, wir beantworten sie gerne. Und trauen Sie sich, auch wenn Sie sich nicht für den/die begnadetste(n) Sänger(in) in und um Altenkirchen halten - das wird schon und macht Ihnen bestimmt genau so viel Spaß wie uns und allen, die bei den früheren Projekten dabei waren. In diesem Sinne: Herzlich willkommen und bis zum 21.1.!