Nachtschicht: Das Tagebuch

21. Januar 2013
Pruitt-Igoe Einstürzende Nicht-mehr-ganz-Neubauten. In Zeitlupe startende Raketen. Lavaströme, Sandstürme und psychedelische Farbkringel. Und so weiter... Schon merkwürdig, was den rund 50 AspirantInnen am ersten Abend "zugemutet" wurde. Dazu sollen wir nun also die ganze Zeit "Ah" machen? Ganz ohne Arzt? Leider wurde die Frage nach dem gerauchten Kraut auch dieses Mal nicht erschöpfend beantwortet.

Ein neues Projekt also, an gewohnter Stelle zur gewohnten Zeit. Als ob's nicht schon wieder vier Jahre (!) her wäre, traf man viele bekannte Gesichter. Doch auch ein paar neue, denen galt ein noch herzlicheres "Willkommen!" Der Küchenchor lädt zu einem neuen Projekt, das weckt Erwartungen. Dem Canto General kann natürlich unmöglich ein noch gewaltigeres, noch ergreifenderes Stück folgen. Daher ein kluger kleiner Schwenk in der Liedauswahl hin zu drei relativ unbekannten und selten live gesungenen Einzelstücken, die aber perfekt zur Nachtschicht des Kulturwerks Wissen passen. Alle drei wurden am ersten Abend kurz vorgestellt. Aber kann man das wirlklich singen? Mal sehen, wie viele sich von der Demonstration abschrecken lassen und nächste Woche gar nicht mehr wiederkommen. Und wie viele das als ganz besondere Herausforderung ansehen...
 

28. Januar 2013
Holla, heute wieder viele neue Gesichter und trotzdem nicht mehr als beim letzten Mal? Vielleicht braucht es bloß ein paar Wochen, bis sich alles zurechtgeruckelt hat. Noch kann man sich ja entscheiden, ob man mitmachen möchte oder nicht. Die ersten Original-Noten (von Vegetationes) sind eingetroffen, in der bekannt bescheidenen Qualität, versteht sich, und von den anderen Stücken gibt es schon mal je einen kopierten Zettel. Erstes Reinschnuppern. Was soll das mit dem Obstsalat? Welche Stimme bin ich eigentlich und wenn ja, warum? Und, mönsch, das Alleluia hat ja auch echt wenig Text!

Eric mit Kerze Dieses bescheidene Journal möchte ja auch einen kleinen elektronischen Mehrwert bieten, also hier als Spezialservice mal einen Link zu Deine Röhre. Der Alleluia-Komponist himself erklärt uns mal eben in 3:05 das komplette Christentum - very funny! Und der ist ja sooooooo süüüüüüßßß!

Nächstes Mal ist das Kreishaus närrisch und wir treffen uns in der Musikschule!

 

4. Februar 2013
Dirndl-Gate im Karneval Das wäre das Richtige gewesen für den neuentdeckten Separatisten Kubicki: Männlein und Weiblein brav getrennt, bloß die armen Teneusen bekommen die ganzen Dirndl-Sprüche ab. Prompt geraten sie in Sinnkrisen... Der größte Raum der Musikschule ist eh zu klein für alle, darum also getrennte Proben. Zwei bis drei Seiten aus dem Alleluia, je nach Fassungsvermögen. Angeblich die schwersten Teile des Stückes, singt sich jedenfalls sperrig, zumindest für das schöne Geschlecht (natürlich ist hier die permanente Septimführung zwischen Tenor und Bass 2 auf Seite 12 gemeint, was hatten Sie jetzt gedacht?). Am Schluss nochmal kurz zusammen mit einem Hauch einer Ahnung, wie es dereinst vielleicht einmal klingen könnte...

Am Rosenmontag simmer im Kreissaal wieder dabei, dat is (naja) prima!
 

11. Februar 2013
Ausgetwittert Ausgetwittert: An diesem denkwürdigen Rosenmontag, an dem fünf Minuten vor Start der Umzüge einfach mal so der deutsche Papst zurücktritt und nicht nur Narren in tiefe Ratlosigkeit stürzt (wann hat man eigentlich Hape Kerkeling das letzte Mal gesehen, kann der jetzt vielleicht doch beim ZDF einsteigen?), treffen sich die 50% Nicht-Jecken (Protestanten?) des Projektchors etwas schwermütig zum Singen. Wer sind wir denn jetzt noch? Und bekommt ein Alt-Papst auch einen Ehrensold? Warum nimmt dieser greise Robenträger eigentlich eine Modernität (burnout) in eigener Sache in Anspruch, wenn er in allen anderen Dingen im Mittelalter verharrt? Tusch, helau, alaaf und schepp schepp!

Dazu passt am besten Alleluia (Preist Gott)! Oder auch ah, ah, ah, ah, ah (Vessels). Oder, ja doch, der Kommunist, den man nicht in Frieden ruhen lässt, Pablo Neruda: "Der Gott der wassergesättigten Altäre schenkte die Blumen und das Leben. In der Fruchtbarkeit wuchs die Zeit" (Vegetationes). Sehr weitsichtig, diese Setlist!

Bis zum nächstes Mal bitte anschauen: Vegetationes bis Takt 67 (Thema) bzw. ab Takt 218 (Reprise).

18. Februar 2013
Dreimal hin und zweimal her, rundherum, das ist - bei der Kälte schon ganz schön schwer, zumindest für die Männerstimmen. Ja, trainieren wir hier eigentlich auf ein Konzert oder einen Marathon? Einzelproben mit Veggies (kann schon in Sachen Pferde-Lasagne nix schiefgehen!) und Luias. Anna stößt zum Team und betreut die Damen so schön wie Stefan die Herren, nur noch energischer. Der Projektchor pendelt sich nun bei 60 Mitgliedern ein. Ab heute noch drei Monate, nächstes Mal Vegetationes ab Takt 68.

Übrigens: Wir haben auch ein Forum, bitte nutzen Sie es rege, um Infos auszutauschen, einfach nur Klönschnack zu betreiben oder auch dieses kleine bescheidene Tagebuch zu kritisieren!

25. Februar 2013
Blech Die aktuelle Grippewelle zwingt ein Viertel der Belegschaft aufs Krankenlager, darunter leider auch El Diri (gute Besserung!). So steht der klägliche Rest also erst mal 20 Minuten im Kalten rum, um seinerseits die Chancen auf dasselbe Schicksal zu erhöhen. Schließlich erscheint: Anna, und leitet mit Charme und Chaos. Neue Noten gibts auch, die vom Alleluia. Allzuviel Neues ist nicht passiert, wir haben alle bisherigen Stellen nochmal gefestigt. Wobei das eigentlich eine zu sachliche Beschreibung dessen ist, was sich bei Erics Blechmusik plötzlich ereignete: Wohlklang! Schönheit! Eine Ahnung vom Himmel. Kann eigentlich nur an Anna gelegen haben...

Leider sind uns zwischenzeitlich drei Sopraninas wieder abhanden gekommen, so dass der Alt jetzt doppelt so groß ist. Und heute hat man sogar was daraus singen hören ("Traut euch!"). Kann wohl nur (siehe oben)...

4. März 2013
Frühling Nun, wir haben wieder einen Dirigenten und eine Korrepetitorin und das Servicelevel ist wieder bekannt hoch: Sogar die korrekte Notenhaltung wird auf Nachfrage gerne erläutert, männlichen Teilnehmern wird auch wieder eine Dosis eiskalte Winterluft zur Abhärtung verschrieben. So geht das Alleluia seinen Weg und nimmt allmählich, noch etwas zögernd und zurückhaltend, an Fahrt auf. Aber es wird groß werden, daran besteht kein Zweifel, sehr groß!

Allmählich könnte man allerdings mal damit aufhören, nur zu jeder zweiten Probe zu kommen, liebe Leute. Der Frühling steht vor der Tür, Schluss mit Husten und Heiserkeit! Nächstes Mal dran: Alleluia bis Takt 37 / 40 und Vessels bis Nr. 3.

11. März 2013
Schneeglöckchen sind gestrichen, auf Blitzeis tapern wir missgelaunt zur Probe. Eine Arbeitsprobe. Anstrengend, aber wirkungsvoll. Bei den Pflanzen wird der Mittelteil in Angriff genommen, beim Whitacre geht's auch voran. Wir suchen "Stellen", wie lustig. Wie damals. Hach. Wann wird's endlich Frühling?

18. März 2013
Gesegneter Hund Alleluia, wir haben wieder einen Papst! Sie ist schwarz, homosexuell,... - nein, äh, nicht ganz. Aber immerhin, er kann Blindenhunde segnen - auch nett. Zum Dank richten wir Stühle und Blicke gen Rom und singen Gepriesen sei Gott. Was sagt Eric dazu? "As I mentioned before, I'm not an atheist, but I'm not a Christian either." Ah ja, alles klar.

Wieder mal geteilte Proben, natürlich mit gemeinsamem Schluss. Nächsten Montag offiziell nur Damen, Herren in der Musikschule auf eigene Gefahr, erst Mittwoch dann "richtig". War das verständlich? Keine Ahnung, ist auch nicht so wichtig, hört eh keiner zu. Oder schreibt mal was. Ich glaub, ich geh in Urlaub. Schöne Ostern!

08. April 2013
Man munkelt, ein Teil des Clubs hätte hier sogar den Ostermontag verbracht. Das nenne ich Einsatz! Effekt ist, dass wir das Gemüse einmal komplett durchsingen und dann auch für heute beiseite legen können. Also ran an die kleinen (allelui)ahs. Teil 1 bis 9 geht auch schon durch, ist aber rhythmisch noch ganz bisschen wackelig. Teil 10 bitte nicht üben! Vom anderen schaffen wir schon die letzten drei Seiten komplett, wozu es übrigens auch neue Übefiles gibt - jeweils ab Takt 98 (Frauen) bzw. 101 (Männer). Nun sehen wir gespannt dem Probensamstag am 13. entgegen (10 Uhr im Kreissaal), möglicherweise fällt da noch der eine oder andere Groschen und wir schaffen den Durchbruch!

LA Übrigens wird Koyaanisqatsi auch heute noch ab und an live aufgeführt. Hier mal zwei Links auf Bilder von einer schönen lauen Sommernacht vor vier Jahren in LA. Das Philip Glass Ensemble, vom Komponisten selbst in den 70ern gegründet und anscheinend bis heute tätig, performt hier mit dem großen Philharmonischen Orchester der Stadt. Wozu hier allerdings ein komplettes Star-Orchester rumsitzt und in die Gegend guckt, hat sich mir nicht so ganz erschlossen - vielleicht hatten die bei den andern Stücken ja mehr zu tun...

13. April 2013
Der erste Probensamstag. Das Wichtigste zuerst: Das selbstzusammengestellte Buffet war erstklassig! Die Stimmung ausgezeichnet, die Fortschritte spürbar. Zum ersten Mal alle drei Titel durchgesungen, das kann man doch einen Erfolg nennen. Die schwierigste Alleluia-Stelle wird mit einer neuen Welle von Übe-CDs in Kleinstgruppen (>= 2) spielend überwunden. Und dann scheint auch noch in der Mittagspause die Sonne, das ist nicht zu toppen!

22. April 2013
Dagegen ist ein "normaler" Probenabend ja emotional wieder Alltag. Aber es geht voran, mit kleinen Schritten manchmal, klar. Dieses Mal geben die Männer Anlass zur Sorge, es sind einfach zu wenige gegen die geballte Frauenpower. Vielleicht muss aber auch bei dem einen oder anderen nur noch der Knoten platzen, wer weiß. Heute ausschließlich Alleluia zweite Hälfte, von hinten her sich bis zum Knick vorarbeitend. Beschleunigen und verlangsamen, laut und leise, Halbe sind Viertel oder umgekehrt, der manirierte Knabe hat echt keinen kompositorischen Firlefanz ausgelassen. Aber nach kurzem Stutzen meistern wir auch das alles...

23. April 2013
Wolken Wissen, Foyer des Kulturwerks: Vorführung vor "banausenfreiem" (Maria), erlesenem Publikum des kompletten Koyaanisqatsi-Films. 85 Minuten mit fast ebenso langem Klaus-Intro. Ihr sehr ergebener Berichterstatter (SEB) sah den Film auch seit sehr langer Zeit wieder zum ersten Mal. Eine Deutung ist schwierig, das Teil ist dreißig Jahre alt und ebenso angestaubt wie manche von uns. Das Panoptikum des Lebens schwankt zwischen faszinierter Langeweile (nix für ADHSler) und schwindelerregender Hektik (nix für Epileptiker). Sein Spannungsbogen beginnt und endet bei Höhlenmalereien, dazwischen treten Canyons, Wolken, Raketen, Flugzeuge, Autos, Häuser, Atombomben, Wolkenkratzer, nochmal Autos, Computerchips, Wurstfabriken, Wettschalter, U-Bahn-Stationen und immer wieder Autos auf, auch Menschen dazwischen, aber hineingestellt oder hindurchrasend wie Fremde, nicht wie Bewohner. Kurz vor Schluss explodiert eine Rakete wie zum Hohn auf die Hybris ihres präzisen Aufstiegs, die Teile verglühen minutenlang im Fall.

Autos Statt Text setzt der Film auf (damals neue) Effekte: Superzeitlupe, sehr, sehr viel Zeitraffer, Farbverfremdungen, Schleifen. Das schafft eine ungewohnte Ästhetik, lässt aber vieles im Ungefähren. Außer der (mehrdeutigen) Erklärung des Titels am Schluss erfolgt keinerlei Richtungsweisung, man muss sich sein Teil denken. Für die späten Siebziger mit ihrer Fortschrittsgebrochenheit fällt das sicher nicht schwer. Aber aus der Distanz betrachtet (und man wehrt sich unwillkürlich gegen die Holzhammermoral, die oberflächlich vorhanden sein könnte) erstaunt doch die Neutralität der Bilder. Das Faszinosum kann in beide Richtungen ausschlagen: heraufziehender Weltuntergang oder Apotheose des Fordismus? Oder ist das der Effekt der Gewöhnung? Damals so neu wie, sagen wir mal, vor zwanzig Jahren die revolutionäre Gewaltästhetik von Pulp Fiction. Heute kommt kein Tatort mehr ohne Tarantino-Zitat aus. Ist es mit den Zeitraffer-Wolken genauso? Oder gab es seither einfach viel zu viele "Rettet-die-Wale-auf-unserem-tollen-blauen-Planeten"-Filme mit netter Musik und "überwältigenden" Bildern, ohne jede Rückwirkung auf den CO2-Wahnsinn und die Finanzmärkte? Hat sich die etwas naive, stark spirituell unterwanderte Fortschrittskritik (die Nähe der Filmschaffenden zu der damals typischen Melange aus westlicher Sinnkrise und pseudo-östlicher Bastelreligion ist evident) heute komplett lächerlich gemacht oder gärt da noch was?

Rakete Hilfreich dabei die Kommentarfunktion der Filmmusik, ohnehin das stärkste Element des Films. Sie verbindet die zusammenhanglosen Teile, indem sie Motive wieder aufgreift, wiederholt, Themen zusammenbindet. Durch Tempo und Instrumentierung werden die Bilder doch noch eingeordnet, bspw. in den drei sehr unterschiedlichen Teilen von "Vessels". Klasse, dass Philip Glass sowohl Computer als auch "analoge" Instrumente und Stimmen verwendet und wie er diese drei zusammenkriegt.

Am Donnerstag um 19:30 Uhr wird der Film auch nochmal im Kreissaal gezeigt, bitte unbedingt hingehen, wenn ihr Zeit habt. Ihr werdet das Stück dann ganz anders singen!

29. April 2013
Fast ausschließlich Alleluia, das ist schon ein harter Brocken. Hier mal als kleinen Extraservice alle 22 (!) italienischen Abkürzungen in alphabetischer Reihenfolge, die unser Sonnyboy benutzen zu müssen glaubt:

Canto Betzdorf 04. Mai 2013
Probensamstag mit Instrumenten. Das befürchtete Chaos hält sich erstaunlicherweise in engen Grenzen, sogar der Zeitplan wird fast eingehalten. Trotzdem ist es immer wieder ein kleiner Schock, wenn sich plötzlich alles so "anders" anhört. Gut, das Schlagwerk und die Gitarrenmaschinerie von Vegetationes hat man ja noch im Ohr, das unterstützt und trägt, da "funktioniert" der Song plötzlich wie von selbst (bis auf eine Stelle im Mittelteil vielleicht). Milena ist wieder dabei und singt das Solo so verrucht und strahlend wie eh und je.

Aber beim Alleluia will es nicht jedem einleuchten, warum aus dem ätherischen, machmal fast mönchischen Chorsatz mittels Trommeln, Zimbeln und Glöckchen eine Zirkusnummer gemacht werden soll. Das sei ein Verweis auf die Bläser-Version, heißt es (davon gibt es geradezu massenhaft Aufnahmen, ist für die auch bei weitem nicht so schwierig wie für Chöre). Dort sind die Effekte (Chimes, Beckenwirbel, Paukengedöns etc.) ja absoluter Standard. Aber passt das auch beim Singen? Wie gesagt, zunächst ist es immer etwas fremd, vielleicht gewöhnt man sich ja noch daran. Vielleicht. Hoffentlich.

Zum Schluss noch kurz Vessels mit Computer. Damit alles exakt zum Film passt und wir beim Einsetzen der "Instrumente" (die auch die Elektronik übernimmt, keiner - außer Anna natürlich :) - könnte das manuell spielen) noch in der richtigen Tonart singen, läuft auf den Monitorlautsprechern eine stark reduzierte Version des Chorsatzes mit. Auch daran muss man sich erst mal gewöhnen - unerbittlich läuft es und läuft und läuft - Atmen verboten. Geht aber schon ganz gut.

06. Mai 2013
Erneute Schwachstellen-Analyse im Alleluia, dabei guckt uns die Rheinzeitung über die (Klavier-) Schulter.

Sebi, unser Gitarrist, hat mich schon im Januar auf eine neue Oper von Philipp Glass hingewiesen, die in Madrid uraufgeführt wurde. Anscheinend erkennt Glass in Walt Disney einen Bruder im Geiste: "Aber ich betrachte Disney auch als einen großen Visionär, der es fertigbrachte, Brücken zu schlagen zwischen anspruchsvoller Kunst und Unterhaltung.", so möchte er ja auch gern gesehen werden. Nachdem das Werk etwas bemüht als "kontrovers" gehypt worden war, fielen die Rezensionen eher lauwarm aus. Die Musik hört sich jedenfalls nicht mal schlecht an und der Meister ist mit seinen 75 ja auch noch gut in Schuss... ;)

13. Mai 2013
Zuerst ausführlichstes Ein-Turnen (pardon, -Singen), dann Heldengedenken mit Blümchen, Fläschchen und Ständchen. Schnüff, danke! Dann wird auch noch kurz gesungen, und zwar alle drei Stücke zum letzten Mal in Ruhe. Vessels ist stark, die komische Begleitung, die uns den ganzen eigenen Eindruck versaut, können wir schon gut verkraften. Jetzt ahnt man, wie außergewöhnlich das werden wird. Gönnen wir den bestimmt zahlreichen ZuhörerInnen halt den exklusiven Hörgenuss. Vegetationes läuft beinahe schon routiniert, obwohl das natürlich am wenigsten ohne Instrumente auskommt. Aber auch hier viel Zuversicht, außer bei dem verflixten Mittelteil natürlich.

Und Alleluia - also Respekt, liebe Gemeinde, das ist ein echtes Sahnehäubchen. Jedenfalls die Version im Saal, eher nicht die auf der Treppe (Tenösen und Bass II leider außerhalb ihrer Reichweiten, dafür Schonzeit für den Sopran). Obwohl das sicher auch lehrreich für die Generalprobe am Donnerstag war, denn auch da werden wieder ganz andere akustische Verhältnisse (auf der Bühne) auf uns warten als wir es von unserem kuscheligen Kreissaal gewohnt waren. Mir dröhnen die vielen Beschwerden ("Ich hör nix!") ja jetzt schon im Ohr...

Wir sehen uns am Donnerstag um 18 Uhr zur Generalprobe in Wissen!

16. Mai 2013
Kulturwerk Wissen Die Generalprobe im Kulturwerk. Leere Halle, gigantische Bühne. Dauer nur von 18 bis 21.30 Uhr, da haben wir ja schon Schlimmeres erlebt. Atmosphäre konzentriert, Stimmung gut, Gemecker nach "zu laut" oder "zu leise" wie immer. Das Orchester braucht natürlich einige Zeit und der Chor "steht rum". Wer es schon öfter mitgemacht hat erkennt keine Besonderheiten, so ist das nun eben im big business, wenn man also in einer location singt, in die mehr als 50 Zuschauer passen. Im Gegenteil, ein neuer zentraler Lautsprecher über dem Chor und eine gute "Singbeleuchtung" machen die Sache einfacher denn je. Je weniger man sich aufregt, um so leichter wird es für alle und das lief dieses Mal super, Kompliment!

Kulturwerk Wissen Im Forum tobt schon eine Diskussion ums "Gefuchtel", anscheinend hatte da aber kaum jemand ein Problem mit. O Wunder, der Trompetenbaum funktioniert nach dreimaliger Wiederholung auf einmal auch wie er soll und der Sopran 2 verbittet sich allfällige Erleichterungen beim Intro von Alleluia. Perfektion in letzter Minute! Die Zuschauer 30 Meter vor der Bühne finden uns jedenfalls klasse und ich bin geneigt, zuzustimmen - wenn manchmal die Musik nach einer halben Sekunde aus der Halle wieder zurück auf die Bühne kommt, kriegt man eine Ahnung davon, wie schön es klingt. Chor und (lebende oder tote) Instrumentalisten harmonieren wunderbar, dazu eine phänomenale Videopräsentation und die größte Lightshow aller bisherigen Projekte - es wird eine gute Aufführung, ach was, es wird ganz toll - das ist doch mal eine "Wission", oder?

18. Mai 2013
Nanu, was war das denn? Gemütliches Eintreffen zwischen 8 und 9, eine kleine Bratwurst oder ein Käsebrötchen (echtes Catering für den top act, wow!) zu sich nehmen, herumstehen, plaudern. Dann entspannt in den Saal schlendern, sich die erste Gruppe anhören/ansehen, Samba und anderes Getrommel aus Köln. Wieder ein bisschen rumstehen, zum Einsingen gehen (oder es versemmeln und statt dessen die Pantomime gucken, ähem - hat sich aber gelohnt, sage ich euch!), wieder runterkommen, die Pause genießen, vor der Bühne sammeln. Und dann? Dann sind wir da einfach hochmarschiert und haben ne halbe Stunde gesungen. Als ob gar nix dabei wär! Total cool, total professionell, als hätten wir noch nie was anderes gemacht. Wahnsinn.

Kulturwerk Wissen

Natürlich weiß keiner von uns wirklich, wie es sich für die Zuschauer angehört hat. Und ob die Videopräsentation wirklich so gut war, wie angekündigt (die Projektionsfläche war jedenfalls schonmal klasse). Aber wir hatten doch ein tolles Gefühl dabei, oder? Also nach allem, was ich gehört habe, auf jeden Fall. (Fast) alles hat super geklappt, die Unterschiedlichkeit der drei Stücke haben wir gut herausgearbeitet, die Halle hat getobt. Unser Diri hat einer Höchstbelastung (Bilder von der Rheinzeitung) souverän standgehalten, alle Achtung! Alle Reaktionen waren überschwänglich, sogar von solchen Leuten, die was von Musik verstehen. Also muss es wohl wirklich gut gewesen sein, glauben wir das mal einfach. Und unsere Beiträge haben auch gut zu den anderen Teilen der Nachtschicht gepasst (bzw. umgekehrt) - Benno hat das Konzept prima erklärt. Bloß: Es war so schnell vorbei! Kaum angefangen, schon vorüber! Applaus, Verbeugen, runter von der Bühne, Pause, nächste Gruppe. So schade. Wenigstens bleiben tolle Bilder. Vielleicht können wir dieses Mal sogar bald eine Aufnahme vorweisen - die Wetten dazu laufen noch...



Zum Schluss...

So, das Projekt ist nun zu Ende. Bleibt dem Geheimen Küchenchor nur noch, sich bei allen, die mitgemacht haben, ganz herzlich zu bedanken. Bitte gebt die Noten für Vegetationes in den nächsten Tagen in der Musikschule ab, wenn ihr es nicht schon gemacht habt (die anderen darf man behalten). Das Forum bleibt noch eine Weile geöffnet und darf gerne rege genutzt werden. Sicherlich wird es zum Projektschluss auch noch eine Mail an alle geben. Und selbstverständlich freuen wir uns über jede und jeden, der oder die weiter bei uns bleiben möchte - kommt einfach am Montag Abend um 20 Uhr mal in der Musikschule vorbei. Und dann - dann bleibt mir nur noch, tschüss zu sagen, natürlich "Auf Wiedersehen" und nicht "Lebt wohl" - denn das nächste Projekt kommt bestimmt, vielleicht sogar schneller als man denkt...